Jan Ullrich hat gedopt. Am heutigen Donnerstag hat der Oberste Sportgerichtshof Cas geurteilt, dass er schuldig ist. Ullrich darf damit als Dopingsünder bezeichnet werden. Sein dritter Platz bei der Tour de France 2005 wurde ihm damit aberkannt. Seine Verwicklung in die Doping-Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes ist laut Cas bewiesen.
Damit endet eine lange Phase der Ungewissheit, die für viele Experten eigentlich kein Geheimnis mehr war. Ullrich betonte lange, er habe weder betrogen noch gedopt. Das sieht jetzt auch offiziell anders aus. Damit ist das “Denkmal Ullrich” endgültig zusammengebrochen.
Jan Ullrich war 1997 der große Held in Deutschland und wurde weltweit als größtes Radsport-Talent gefeiert. Schon ein Jahr zuvor “schenkte” er seinem Chef Bjarne Riis den Sieg. Ullrich überzeugte und fuhr alle in Grund und Boden. Seine Leistungen wurden nicht hinterfragt, auch wenn dies aus heutiger Sicht nicht ohne Zweifel zu beurteilen ist.
Aber neben echten Stars wie Boris Becker und Michael Schumacher gehörte Jan Ullrich zum damaligen Zeitpunkt zu den großen Sportbotschaftern des Landes und wurde entsprechend vermarktet.
Zeitsprung: Im Frühjahr 2002 erhielt das Legendenbild des Jan Ullrich erste Risse. Unter Alkoholeinfluss verursachte er einen Unfall. Wenig später wurde er positiv auf Amphetaminegetestet und sechs Monate gesperrt. Ullrich konnte sich den Vorfall nicht erklären, wechselte das Team und kam mit Bianchi sensationell zurück. Er wurde hinter Armstrong Zweiter bei der Tour.
In den folgenden Jahren machte der gesamte Radsport mehr Schlagzeilen durch Dopinggeständnisse und Affären, als durch sportliche Erfolge. Der Sport an sich wurde tief erschüttert.
Aber warum?
Die Tatsache, dass die Tour immer spektakulärer und schwerer sein musste, spielte sicherlich eine Rolle. Die Tour ist ohne Doping nicht so zu meistern, wie das viele Zuschauer am Fernseher gerne sehen wollen. Die Sportler haben sich wie bei einer Kettenreaktion immer dem aktuellen Trend angepasst, um weiter mithalten zu können.
Es hätte aber auch anders laufen können, auch wenn dies sicherlich ein romantischer Gedanke ist. Die Fahrer hätten streiken und die Tour als “Wahnsinn” für Körper und Geist bezeichnen müssen. Über die Solidarität hätte jeder, bei allen finanziellen Verlusten, sicherlich eins gewonnen: Gesundheit.
Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen endlich aufwachen und die Belastungen anpassen. Denn solange dies nicht der Fall ist, wird weiter gedopt (siehe Contador). Die Glaubwürdigkeit des Radsports kann, wenn überhaupt, nur durch massive Veränderungen zurückerkämpft werden.
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